HT 1/ MW 1- HT 1 Dem Verbrechen begegnen: Soziale Arbeit und Kriminalität

TagZeitRaumDozentIn
Dienstag15:20 - 18:30 UhrC 310Nock

Starttermin: 17.03.2020

In unserem Seminar wollen wir dem Verbrechen verstehend begegnen, indem wir unseren Schwerpunkt auf die psycho-sozialen Ursachenzusammenhänge von Jugendgewalt legen. Das heißt zum einen auf der Akteursebene: Welche lebensweltlich-biografischen bzw. sozialisatorischen Faktoren spielen im Entstehungskontext von Kriminalität eine Rolle? Welche Identitätsmuster finden sich bei jugendlichen Straftätern? Zum anderen sind auf der Makroebene sozialstrukturelle Faktoren einzubeziehen: Welche gesellschaftlichen Mechanismen begünstigen die Entstehung krimineller Subkulturen? Was hat soziale Schichtung mit Verbrechen zu tun? In welcher Beziehung stehen Lebensstile, Milieus und kriminelle Gelegenheitsstrukturen? Und schließlich wollen wir auch der Frage nachgehen, welche Machtstrukturen hinter der sozialen Konstruktion „Kriminalität“ liegen, über welche Deutungshoheit Kontrollinstanzen (Polizei, Schule, Soziale Arbeit usw.) verfügen und wie diese dazu beitragen, die vorherrschende Sozialordnung zu stabilisieren. Anhand von Filmmaterial, Fallbeispielen und Forschungsdaten werden wir den Gehalt verschiedener Erklärungsansätze von Kriminalität für die sozialpädagogische Praxis erschließen. Dazu werden wir uns insbesondere mit den folgenden Ansätzen befassen:

• Gewaltkarrieren-Konzept (Ferdinand Sutterlüty, 2002)

• Halt-, Selbstkontroll- und Bindungstheorien (u.a. Travis Hirschi, 1969)

• Differentielle Lerntheorien (u.a. Ronald L. Akers, 1973; Albert Bandura, 1976)

• Kriminalität als Bewältigungshandeln (Lothar Böhnisch, 1999)

• Subkultur-Theorien (u.a. Albert K. Cohen, 1957)

• Theorie der sozialen Identität (Henri Tajfel, 1982) • Anomie-Theorie (Émile Durkheim, 1897; Robert K. Merton, 1949)

• Labeling Approach (Frank Tannenbaum, 1938; Howard S. Becker, 1963)

Eine umfangreiche Literaturliste sowie mögliche Themen für Präsentationen und Hausarbeiten erhalten Sie zum Seminarauftakt.